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7. Das tägliche Zusammenleben mit
Schizophrenen
1. Wir müssen akzeptieren, dass der Patient zumindest
eine bestimmte Zeit lang kein so intensives Leben führen kann, wie wir uns
das vielleicht wünschen. Wir dürfen den Schizophrenen nicht zu etwas
zwingen, was er nicht tun kann, denn das würde zu einer Verschlechterung
seines Zustands führen. Wir müssen ihm mehr entgegenkommen. Wir
müssen uns vor Augen halten, dass die Wiederherstellung (Rehabilitation)
eine lange Prozedur ist und nicht mit einem frontalen Angriff erzwungen werden
kann.
2. Der Patient sollte nicht als ein Mensch behandelt werden,
der verantwortungslos ist oder dazu neigt, sich oder anderen Schaden
zuzufügen. Statistiken haben niemals nachgewiesen, dass
Gewalttätigkeit oder kriminelles Verhalten bei Schizophrenen häufiger
ist als bei der übrigen Bevölkerung.
3. Obwohl der Patient nicht völlig im Einklang mit der
Realität steht, ist er dennoch im Stande, das Leben weitgehend richtig zu
beurteilen. Er ist nicht schwachsinnig. Er sollte weder als Kind noch als
Unterlegener oder als ein Objekt behandelt werden. Wir sollten ihn mit Fragen
verschonen wie: „Warum hast du das getan?“ „Warum hast du das
gesagt?“ Wir sollten nichts sagen, wodurch er sich beschuldigt, angeklagt,
abgewertet oder zurückgewiesen fühlen
könnte.
4. Obwohl der Patient gleichgültig und von der Welt
abgekehrt erscheint, sollten wir uns vor Augen halten, dass er von seiner
Umgebung beeindruckt ist, auch wenn keine Reaktionen sichtbar
sind.
5. Wenn Schizophrene übermäßig provoziert
oder grausam behandelt werden oder wenn man von ihnen verlangt etwas zu tun, was
sie nicht tun können, dann können sie leicht aggressiv
werden.
6. Besonders unmittelbar nach einer Rückkehr aus dem
Krankenhaus ist der Patient häufig nicht im Stande, die Initiative zu
ergreifen: Die Angehörigen müssen initiativ werden und gleichzeitig
sehr viel Geduld aufbringen. Es ist bezeichnend für teilweise
wiederhergestellte Patienten, Dinge in viel langsamerem Tempo zu tun als der
durchschnittliche Gesunde. Mangel an Konzentration, Hemmungen aller Art und
Gedanken, die sich aufdrängen, können sich störend auf seine
Tätigkeiten auswirken. Dennoch wird der Patient, wenn er stetig arbeitet
und bei seinem Tun – so langsam dies auch sein mag – ermutigt wird,
ein Gefühl der Befriedigung empfinden. Sobald sein Selbstvertrauen
wächst, wird auch das Tempo seiner verschiedensten Tätigkeiten
zunehmen. Die Familie muss lernen, die Bereiche, in denen der Patient besonders
empfindlich ist, zu erkennen und zu vermeiden.
7. Es wäre gut dem Patienten zu zeigen, dass er nicht
unnütz in der Familie ist. Er soll das Gefühl haben, gebraucht zu
werden: Er könnte z. B. im Haushalt kleine Tätigkeiten
übernehmen. Das Gefühl, etwas für die Familie beitragen zu
können, wird sich günstig auswirken.
8. Am besten ist es, mit dem Patienten nicht zu streiten
bzw. ihm nicht zu erklären, dass er nicht Recht hat. Aber vielen
Angehörigen fällt das schwer; ihr Stolz ist verletzt, sie fühlen
sich deshalb auch überfordert. Eine gute Haltung seitens der
Angehörigen besteht darin, dem Patienten zu sagen: Vielleicht wird die Zeit
kommen, da du das, was wir getan haben und tun, in einem anderen Licht sehen
wirst. Gleichzeitig können Angehörige den Patienten beruhigen, indem
sie erklären, dass jedes Familienmitglied dazu beitragen wird, die Rechte
und Bedürfnisse aller in der bestmöglichen Weise zu befriedigen. Die
Chance wird dann größer sein, dass die Zukunft besser wird als die
Vergangenheit.
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